TiUnite

Wissenschaft an die Oberfläche holen – Prof. Dr. Matthias Karl

Prof. Dr. Karl

Prof. Dr. Karl

Eine kürzlich veröffentlichte Metaanalyse zur Bewertung der TiUnite Oberfläche1 von Nobel Biocare ist vermutlich die umfassendste derartige Bewertung einer einzelnen Implantatmarke, die jemals durchgeführt wurde. Hier beantwortet der Hauptautor, Prof. Dr. Matthias Karl, Universität des Saarlandes, Fragen zur Bedeutung der Studie für die Forschung, Behandler und Patienten.

Professor Karl, was hat Sie bewogen, eine Metaanalyse zum klinischen Verhalten von Implantaten mit der TiUnite Oberfläche durchzuführen?

Prof. Karl: „Die TiUnite Oberfläche kam vor über 15 Jahren auf den Markt und hat seitdem ganz klar die Maßstäbe in der Implantologie gesetzt. Sie ist eine der wichtigsten Implantatoberflächen auf dem Markt. Wir fanden, dass es an der Zeit war, TiUnite Implantate in einer umfassenden Metaanalyse prospektiver klinischer Studien zu bewerten, nicht anhand von präklinischen oder retrospektiven Daten, nicht mit Fallberichten, sondern mit Hauptaugenmerk auf die höchstmögliche Aussagekraft.”

Wie haben Sie entschieden, welche Studien in die Analyse einfließen?

Prof. Karl: „Es gab strenge Einschlusskriterien. Wir haben nur prospektive klinische Studien mit mindestens 20 Patienten, die seit Studienbeginn TiUnite Implantate erhielten, betrachtet. Außerdem war mindestens ein Jahr Nachbeobachtung nach der Belastung erforderlich. Was die Studien angeht, mussten wir die Gesamtüberlebensrate entweder dem Text der Studie entnehmen oder aus den darin angegebenen Daten errechnen können.”

Trotz der strengen Einschlusskriterien gilt die Studie als die umfassendste Analyse dieser Art zu einer einzigen Implantatmarke. Wie groß war die Menge der untersuchten Daten?

Prof. Karl: „Die Studie ist auf jeden Fall die größte dieser Art, die mir bekannt ist. Wir haben 106 gut dokumentierte prospektive klinische Studien untersucht. So viele Primärstudien in einer einzigen Übersichtsarbeit sind wirklich etwas Einzigartiges. Insgesamt umfasste die Bewertung über 12 000 TiUnite Implantate. Das stellt eine gewaltige Datenbasis dar und muss als ein echtes Plus für Nobel Biocare, die Behandler, die mit Implantaten von Nobel Biocare arbeiten, und ihre Patienten gesehen werden. Ich denke, dass das wirklich das höchste Maß an Evidenz ist, die wir derzeit für den klinischen Erfolg einer einzigen Implantatoberfläche haben.”

Was wollten Sie in all diesen Daten finden? 

Prof. Karl: „Wir hatten keine festgelegten Erwartungen – das ist für mich eine weitere Stärke dieser Studie. Unser Ansatz war wirklich: ‚Mal sehen, was wir finden.‘ Unser Ziel war nicht, uns die passenden Daten herauszupicken, sondern die Literatur unvoreingenommen durchzusehen.

Ein anderes einzigartiges Merkmal der Studie war, dass wir die Implantatinsertion als Baseline verwendeten. Die Knochenremodellierung findet vor allem zwischen der Implantatinsertion und dem Einsetzen des Abutments statt. In vielen Studien wird die Zeit erst nach der prothetischen Versorgung gemessen. Aber bis dahin hat schon eine gewisse Knochenremodellierung stattgefunden, deshalb ist es ehrlicher, bis zur Implantation als Baseline zurückzugehen und das Knochenniveau von da ab zu beurteilen.

Wir konnten uns gezielt die Veränderungen des marginalen Knochenniveaus von Anfang an, also seit dem Eingriff, in sehr vielen Studien ansehen und haben außerdem biologische Komplikationen berücksichtigt, wo sie berichtet wurden. Natürlich haben wir uns auch Periimplantitis und periimplantäre pathologische Befunde angeschaut.”

Pressemitteilung - Bei der bisher größten Metaanalyse zur Bewertung einer einzelnen Implantatmarke wurden 106 prospektive Studien mit 12 803 Implantaten mit TiUnite Oberfläche und 4694 Patienten ausgewertet. - Auf Implantatniveau überstieg die geschätzte Überlebensrate 99 % nach einem Jahr und lag bei 95,1 % nach 10 Jahren. - Die berichtete Prävalenz von Periimplantitis ist gering1 und vergleichbar mit anderen mäßig rauen Implantatoberflächen2. - Die geschätzte Veränderung auf marginalem Knochenniveau von der Implantatinsertion bis zur Nachuntersuchung nach fünf Jahren beträgt -0,9 mm auf Implantatniveau (n = 4837) und -1,00 mm auf Patientenniveau (n = 1393). Köln, Deutschland, 30. August  2017 Eine neue systematische Auswertung und Metaanalyse liefert den bisher stärksten Nachweis der hohen Wirksamkeit der Implantate von Nobel Biocare mit TiUnite Oberfläche. Bei der in der Juli/August-Ausgabe des International Journal of Oral and Maxillofacial Implants veröffentlichten Studie von Professor Matthias Karl, Universität des Saarlandes, und Professor Tomas Albrektsson, Universität Göteborg, Schweden, wurden Patientenergebnisse aus 106 peer review überprüften Veröffentlichungen prospektiver klinischer Studien zu Implantaten mit TiUnite Oberfläche analysiert.1 Diese neue Metaanalyse ist mit einer Auswertung von Daten zu 12 803 Implantaten mit TiUnite Oberfläche und 4694 Patienten die umfassendste Metaanalyse einer einzelnen Zahnimplantatmarke, die bisher veröffentlicht wurde. 
 Die Ergebnisse belegen, dass Implantate mit der TiUnite Oberfläche eine bemerkenswert niedrige frühe Misserfolgsrate und ein langfristiges klinisches Überleben aufweisen. Die geschätzte kurzfristige Überlebensrate auf Implantat- und Patientenniveau liegt jeweils bei über 99 % nach einem Jahr und die geschätzte langfristige Überlebensrate nach 10 Jahren beträgt 95,1 % auf Implantatniveau (91,5 % auf Patientenniveau). Bei 47 der 106 Studien wurden biologische Komplikationen bewertet. 19 dieser 47 wissenschaftlichen Arbeiten berichteten von Fällen von Periimplantitis, die nur bei 5,2 % der Patienten (64/1229) auftraten. Unter der Annahme, dass die Autoren der anderen untersuchten Studien Fälle von Periimplantitis berichtet hätten, stellten die Professoren Karl und Albrektsson fest, dass die tatsächliche Rate von Periimplantitis unter den 4694 Patienten aller 106 Studien bei nur 1,36 % liege. Dies geht mit einem früheren Bericht von Albrektsson et al. einher, gemäß dem die Rate bei 1–2 % bei gut dokumentierten Implantaten nach 10 Jahren liegt.2
 Die geschätzten Veränderungen des marginalen Knochenniveaus von -0,4 mm bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr und 0,9 mm nach 5 Jahren (auf Implantatniveau) belegen, dass die TiUnite Oberfläche im ersten Jahr eine gesunde Knochenreaktion und langfristig stabile Knochenniveaus fördert.
 Hans Geiselhöringer, Präsident von Nobel Biocare, bekräftigt: „Nobel Biocare steht für hochwertige Produkte auf der Grundlage von hochwertiger Wissenschaft. Diese Metaanalyse bestätigt zweifelsfrei, was bereits mit umfangreichen internen Tests und externen Validierungen seit über 15 Jahren dokumentiert ist: Die TiUnite Oberfläche unterstützt die periimplantäre Gesundheit und den Knochenerhalt und bietet einen langfristigen Gesamterfolg. Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass der patientenorientierte Ansatz von Nobel Biocare bei der Entwicklung von Produkten und Lösungen Erfolg hat. Diese Studie liefert den bisher stärksten Nachweis, dass Zahnmediziner und ihre Patienten sich bei Implantaten mit TiUnite Oberfläche von Nobel Biocare auf hervorragende Behandlungsergebnisse verlassen können.“ Den vollständigen Artikel des International Journal of Oral Maxillofacial Implants finden Sie hier: JOMI, oder lesen Sie die Zusammenfassung auf PubMed: PubMed. Weitere Informationen zur TiUnite Oberfläche, einschließlich klinischen Fällen und wissenschaftlichen Studien, finden Sie unter nobelbiocare.com/TiUnite. Referenzen 
1. Karl, M. and Albrektsson, T. Clinical performance of dental implants with a moderately rough (TiUnite) surface: A meta-analysis of prospective clinical studies. Int J Oral Maxillofac Implants. 2017 Jul/Aug;32(4):717-734. doi: 10.11607/jomi.5699. 2. Albrektsson, T. et al. "Peri-Implantitis": A Complication of a Foreign Body or a Man-Made "Disease". Facts and Fiction. Clin Implant Dent Relat Res. 2016 Aug;18(4):840-9. doi: 10.1111/cid.12427. Nobel Biocare ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich innovativer implantatbasierter Dentalversorgungen. Das Portfolio des Unternehmens bietet Lösungen von Einzelzahn- bis hin zu zahnlosen Indikationen mit Zahnimplantatsystemen (einschließlich der Hauptmarken NobelActive®, NobelParallel®, Brånemark System® und NobelReplace®), eine umfassende Palette hochpräziser individueller Prothetiklösungen und CAD/CAM-Systemen (NobelProcera®), Lösungen für die Behandlungsplanung und die schablonengeführte Chirurgie (NobelClinician® und NobelGuide®) sowie Biomaterialien (creos™). Nobel Biocare unterstützt seine Kunden durch alle Phasen der beruflichen Entwicklung und bietet erstklassige Schulungs- und Ausbildungsprogramme sowie Praxisunterstützung und Patienteninformationsmaterialien. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Zürich. Die Produkte werden an fünf Standorten in den USA, in Schweden, Japan und Israel hergestellt. Produkte und Leistungen sind in mehr als 80 Ländern über Niederlassungen und Vertriebspartner erhältlich.

Histologie beim Menschen sechs Monate nach Implantatinsertion zeigt die Verankerung des Knochens in den TiUnite-Poren.

Die Definition von Periimplantitis ist derzeit ein viel diskutiertes Thema in der Implantologie. Wie haben Sie sie für diese Studie definiert? 

Prof. Karl: „Die Definition von Periimplantitis ist zurzeit tatsächlich umstritten. Wir haben in der Studie Periimplantitis weder über- noch unterschätzt. Wenn die Autoren der Primärstudie von Periimplantitis schrieben oder es periimplantäre Entzündungen oder pathologische Vorgänge gab, haben wir das in allen Fällen als Periimplantitis gezählt. Uns ist bewusst, dass diese Autoren unterschiedliche Maßstäbe angelegt hatten, aber wenn sie den Begriff ‚Periimplantitis‘ oder einen ähnlichen verwendeten, haben wir das nicht infrage gestellt.”

Was waren die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Analyse?

Prof. Karl: „Für mich war das wichtigste Ergebnis, dass TiUnite selbst unter sehr widrigen Umständen eine hochgradig zuverlässige Implantatoberfläche ist. Nobel Biocare bietet eine ganze Palette von Implantatdesigns mit der TiUnite Oberfläche an und wir konnten keinen Unterschied im Verhalten von Implantaten zwischen verschiedenen Implantatgeometrien feststellen. Letztendlich kann man definitiv sagen, dass es eine hervorragende Oberfläche ist. Sie hält das Implantat an seinem Platz und hat eine erwiesenermaßen lange Haltbarkeit. Die Prävalenz von Periimplantitis ist extrem niedrig. Es gab keine schweren biologischen Komplikationen und die Veränderungen im marginalen Knochenniveau liegen deutlich innerhalb der Grenzwerte für ein erfolgreiches Implantat.”

Wie können die Erkenntnisse aus Ihrer Analyse jetzt bei der Verbesserung der klinischen Praxis helfen?

Prof. Karl: „Behandler können die in der Studie genannten Zahlen zum Vergleich heranziehen. Das ist der wirkliche Nutzen einer so umfangreichen Übersichtsarbeit. In unserer eigenen Praxis können wir nur eine begrenzte Zahl von Patienten sehen. Hier haben wir eine Auswertung von über 12 000 Implantaten über einen Zeitraum von 15 Jahren. Mein Ratschlag wäre, sich diese Zahlen anzusehen und mit dem zu vergleichen, was man in der eigenen Praxis sieht. Dann kann man sich fragen ‚Wo stehe ich im Vergleich zu den Daten und woran kann das liegen?‘ Wenn man nicht den gleichen Erfolg erzielt, was ist der Grund? Die Ergebnisse sind ein hilfreicher Vergleichsmaßstab für die moderne Praxis.”

Weitere Informationen zur TiUnite Oberfläche und den relevanten klinischen Nachweisen finden Sie unter nobelbiocare.com/TiUnite.

Referenzen

  • Karl, M. and Albrektsson, T. Clinical performance of dental implants with a moderately rough (TiUnite) surface: A meta-analysis of prospective clinical studies, Int J Oral Maxillofac Implants (accepted).