„Wenn es um Keramikabutments geht, kommt es auf den Hersteller an.“

Nicht alle Zahnimplantatversorgungen sind gleich. Dies bestätigt eine neue Studie des führenden Materialforschers Professor J. Robert Kelly. Seine Studie bestätigt auch die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen von Nobel Biocare zur Festigkeit der NobelProcera Zirkondioxid-Abutments. Hier diskutiert Professor Kelly seine Arbeit, die im International Journal of Oral and Maxillofacial Implants veröffentlicht wurde.

Von Michael Stuart

Michael Stuart: Ihre neueste Untersuchung befasste sich mit dem Ermüdungsverhalten der Zirkondioxid-Implantatabutments von vier großen Herstellern. Was veranlasste Sie, diesen Ansatz zu wählen?

Prof. J. Robert Kelly: Wir wollten handelsübliche Produkte untersuchen. Dabei ging es uns nicht darum, kommerzielle Vergleiche anzustellen, sondern darum, uns mit Produkten aus der realen Welt zu befassen. Unser Interesse galt möglichen Fertigungsproblemen und Designmängeln, weshalb es für uns Sinn machte festzustellen, was mit auf dem Markt befindlichen Produkten geschehen würde. Als Referenz wählten wir die Straumann Implantate auf Knochenniveau (BL-Implantate). Unser Forschungsvorhaben wurde von der ITI Foundation gefördert.

Unsere Suche nach Dritthersteller-Vergleichsabutments für die BL-Implantate führte uns zu den Abutments von NobelProcera und Glidewell – wobei diese beiden Hersteller für BL-Implantate nur Hybrid-Zirkondioxid-Abutments anbieten, bei denen der Implantatübergang mittels eines Titaneinsatzes realisiert ist – sowie den verfügbaren Voll-Zirkondioxid-Abutments von Astra und Straumann.

Stuart: Mit welchen Methoden testeten Sie diese Produkte?

Kelly: Um eine Testmethode zu erarbeiten, nahmen wir sechs der Abutments aus jeder der vier Gruppen und testeten sie wiederholt mit einer Belastung von 200 N. Die Wahl für den Belastungswert „200 N“ für die beschleunigte Alterung basierte auf unseren bisherigen Arbeiten.

Wir wollten nicht, dass die Implantate brechen, und hielten 200 N für einen fairen Ausgangswert. Die Ergebnisse sollten es uns ermöglichen, die Rahmenbedingungen für Phase 2 festzulegen, konkret die Belastungswerte für die Tests mit weiteren 12 Implantaten.

Als uns jedoch die vollständigen Daten aus Phase 1 vorlagen, waren wir – gelinde gesagt – erstaunt. Hinsichtlich jeder der Kategorien lagen eindeutig signifikante Unterschiede zwischen den Herstellern vor. Dies wurde in den nachfolgenden ausführlichen Tests der gesamten Stichprobe bestätigt.

Stuart: Das NobelProcera Produkt zeigte in dieser Studie herausragende Leistung – kann man das so sagen?

Kelly: Ja, unbedingt. Während wir bei manchen der anderen Abutments die Belastung reduzieren mussten, zeigte sich das NobelProcera Produkt unbeeindruckt (keine Frakturen nach 25 Millionen Zyklen), so dass wir die Belastung mehr und mehr steigern mussten. (Hinweis des Herausgebers: Siehe Abbildung auf der gegenüberliegenden Seite.)

Stuart: Wie erklären Sie sich die Schwäche der anderen Abutments?

Kelly: Da sich die Makrodesigns der verschiedenen Hersteller nur geringfügig unterscheiden, kamen die gewaltigen Unterschiede für uns überraschend. Um herauszufinden, warum wir zu derartig unterschiedlichen Ergebnissen gelangten, bat ich meine Kollegin Dr. Isabelle Denry, SEM-Analysen durchzuführen. Bei der Untersuchung eines der Abutments, die in der Studie am schlechtesten abgeschnitten hatten, stellte sie fest, dass die Schwäche aus Schäden resultierte, deren Ursachen im Fertigungsprozess zu suchen sind: Schleifschäden unterhalb der Oberfläche, große Risse, inhomogene Kristalle und eine diffuse Porositätsschicht. Es ist nicht zu übersehen, dass es auf den Hersteller ankommt.

Stuart: Es liegen viele Berichte über Probleme bei der Verwendung von Drittanbieter-Abutments mit Systemen vor, für die sie nicht ausgelegt waren. Da es auf den Hersteller ankommt: Plädieren Sie dafür, ausschließlich authentische Komponenten einzusetzen?

Kelly: Im Allgemeinen rate ich von der Verwendung kostengünstigerer Drittanbieter-Abutments ab. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel. Nach dem, was ich im Lauf der Jahre gesehen haben, sind die Materialien von minderer Qualität, und berücksichtigt man den hohen Wert des Ergebnisses, die hohen Erwartungen, die der Patient an seinen Behandler stellt, stellt sich doch die Frage, warum man – nur um 100 Euro zu sparen – ein derartiges Risiko eingehen sollte?

Stuart: Wie interpretieren Sie die Ergebnisse Ihrer Studie hinsichtlich der NobelProcera Drittanbieter-Abutments für Straumann Implantate auf Knochenniveau?

Kelly: Nobel Biocare ist ein Qualitätshersteller. Das Unternehmen fertigt Komponenten, die für das BL-Implantatsystem entworfen, getestet und anschließend verifiziert wurden.

Professor J. Robert Kelly und seine Kollegen an der University of Connecticut erforschten das Ermüdungsverhalten von CAD/CAM-Keramikabutments als Funktion von Design und Keramikverarbeitung. Ihre bemerkenswerten Ergebnisse zum Leistungsverhalten bestätigen den Ansatz von Nobel Biocare, für Implantate auf Knochenniveau ausschließlich Zirkondioxid-Abutments mit Titaneinsatz zu fertigen.