Klinischer Workflow einer Sofortimplantation mit Sofortversorgung im Oberkieferfrontzahnbereich

23. Februar 2018

Der vorliegende klinische Fall zeigt eine 24 Jahre alte weibliche Patientin mit Schneidekantenfraktur und Pulpenbeteiligung sowie erhöhtem Lockerungsgrad (Miller Grad II) des Zahnes 11 nach Sturz mit Frontzahntrauma. Zahn 11 wurde alio loco endodontisch anbehandelt und ein Schneidekantenaufbau in Nonokklusion mittels Komposit durchgeführt. Eine langzeitmedikamentöse endodontische Einlagefüllung über drei Monate mit Calxyl sowie wechselweise bei Zahnschmerzen und/oder Fistelbildung mit Ledermix/Metronidazol zeigte keine Besserung des Heilungsverlaufes. Die Patientin klagte weiterhin über wiederkehrende Zahnschmerzen, Fistelbildung und weiterhin erhöhter Zahnmobilität. Der Zahn wies zudem im Röntgenbild ein nicht optimales Wurzel/Kronenverhältnis (1/1) bei stark konischer Zahnwurzel auf. Daher wurde sie über die Möglichkeit einer Wurzelspitzenresektion mit simultaner Wurzelfüllung zum Zahnerhalt und der Therapiealternative einer Brückenversorgung oder eines implantatprothetischen Ersatzes des Zahnes 11 aufgeklärt. Nach Abwägung der Risiken und Erfolgswahrscheinlichkeiten der einzelnen Behandlungsformen entschied die Patientin sich für eine Versorgung mittels Implantat und Krone…

 

4. Münchner Treff

Passend zum Thema „Implantation in der ästhetischen Zone“ möchten wir den 4. Münchner Treff nicht unerwähnt lassen. Am 14. April lädt Nobel Biocare unter der Moderation von Dr. Christian Lex zum Münchner Treff ein. Im Mittelpunkt stehen Dr. Iñaki Gamborena und seine Lösungen bei der Behandlung problematischer implantatgestützter Frontzahnrestaurationen. Er wird über neue Operationstechniken berichten, sowie über Entwicklungen der Hilfsmittel, die Hart- und Weichgewebe in der gewünschten und nötigen Form entstehen lassen. Es wird nicht nur die große Bildershow gelungener Fälle präsentiert , sondern auch genug Zeit und Raum für die Fragen der Teilnehmer sein. Nobel Biocare ist es wichtig, den passenden Rahmen für angeregte Diskussionen mit den Experten zu bieten. Mehr Informationen zur Veranstaltung und Anmelden können Sie sich auf nobelbiocare.com.

 

 

Einzelröntgen nach
dreimonatiger Langzeitmed mit Calxyl.

Da sich die knöchernen Verhältnisse der Alveole nach schonender Extraktion als optimal darstellten, d.h. die bukkale Lamelle komplett erhalten war, konnte bei einer Sondierungstiefe von ca. 3 mm eine Sofortimplantation durchgeführt werden. Dazu wurde das NobelActive Implantat (Nobel Biocare, Kloten, Schweiz) ausgewählt, welches ein vorteilhaftes Implantatdesign für Sofortimplantationen besonders mit nachfolgender Sofortversorgung aufweist. Auch bei geringem Knochenangebot (bei Sofortimplantationen häufig nur 4–5 mm apikal) kann hiermit eine hohe Primärstabilität erreicht werden, welche eine der Grundvoraussetzungen zur Sofortversorgung ist.Aufgrund des großen Querschnitts des ehemaligen Zahnes im Durchtrittsprofil wurde ein Implantat mit 5 mm Durchmesser (Länge 13 mm) gewählt. Die Implantatinsertion wurde im Hinblick auf eine bessere Wundheilung und geringere Resorption ohne Lappenbildung durchgeführt. Mit Hilfe einer laborgefertigten Bohrschablone wurde das Implantat in den palatinalen Anteil der knöchernen Alveole inseriert. Die Implantatschulter wurde idealerweise nach palatinal versetzt ohne Berührung der bukkalen Knochenlamelle platziert.

 

 

Der Spalt zwischen Implantat und Alveolenwand wurde mit dem neuen entproteinisierten bovinen Knochenersatzmaterial creos xenogain (Nobel Biocare, Kloten, Schweiz) aufgefüllt um die bukko-palatinale Resorption des Kieferkamms nach Extraktion zu verringern.

Aufgrund der erreichten Primärstabilität von 40 Ncm konnte dem Wunsch der Patientin nach einer festsitzenden provisorischen Versorgung auf dem Implantat entsprochen werden. Auf einem verschraubtem, und bereits mit Opaquer eingefärbtem, Titanaufbau wurde ein Provisorium über eine vorher angefertigte Tiefziehfolie direkt „chairside“ angefertigt. Dabei ist zu beachten, dass die Tiefziehfolie nicht überfüllt und die Kunststoffprovisorienmasse nicht bis in die Alveole (evtl. in den Spalt zwischen Implantat und Knochen) gepresst wird. Die so entstehende unvollständige Krone wird dann im Dentallabor mit Komposit komplettiert und auf Hochglanz poliert. Das Provisorium wird ohne Kontakt in Okklusion und Artikulation angefertigt um Mikrobewegungen des Implantates zu vermeiden, die zum Implantatverlust führen können. Der verschraubbare Titanaufbau mit konischer Innenverbindung wurde mit den erlaubten 35 Ncm festgezogen. Das hohe Drehmoment der provisorischen Versorgung verhindert eine Lockerung während der Einheilzeit mit der Gefahr von Weichgewebsirritationen. Nach zweimonatiger Abheilzeit wurde das Provisorium entfernt und mit Hilfe eines Laboranalogs und Labor-Puttymasse wurde das Emergenzprofil des Provisoriums doubliert. Im Anschluss daran wurde ein zuvor sandgestrahlter Implantatabformpfosten in die Doublierform mit dem Laboranalog eingeschraubt und die Form mit schrumpfungsoptimierten Modellierkunststoff gefüllt. Bei der Abdrucknahme wird das bereits ausgeformte Emergenzprofil wiedergegeben, ohne dass der gingivale Anteil kollabieren kann.

Die Abformung wurde mit einem „offenen“ Abdrucklöffel von der Implantatschulter genommen. Durch die palatinal angulierte Implantatposition wäre mit konventionellen Mitteln nur eine zementierbare Lösung oder ein Durchtritt des Schraubenkanals im bukkalen Bereich möglich gewesen. Über den Procerascanner (Nobel Biocare) und die dazugehörige Nobeldesign-Software konnte ein zweiteiliges CAD/ CAM gefertigtes Zirkondioxid Abutment mit nach palatinal angulierten Schraubenkanal (Angulated Screw Channel oder ASC Abutment, Nobel Biocare) angefertigt werden, welches später keramisch verblendet wurde. Das ASC-Abutment kann Angulationen von bis zu 25° ausgleichen. Der Schraubenkopf ist dabei wie eine halbe Hohlkugel mit eingebautem Sechskant geformt, sodass der dazugehörige Omnigrip Implantatschlüssel ringsum mit bis zu 25° Winkel angesetzt werden kann. Die Vollkeramische Versorgung wurde ebenfalls mit 35 Ncm befestigt. Der Schraubenkopf wurde innerhalb des Schraubkanals mit kondensiertem Teflonband geschützt und der Schraubkanal mit lichthärtendem Komposit in Zahnfarbe verschlossen. So konnte eine ästhetisch zufrieden stellende vollkeramische und verschraubte Krone hergestellt werden, ohne die Risiken der subgingivalen Zementierung (Abb. 1-38). 

Die Anzahl längerer Behandlungstermine beschränkte sich bei dieser Vorgehensweise auf drei Termine. Die Gesamtbehandlungsdauer betrug bis zur Fertigstellung lediglich drei Monate und konnte komplikationslos und mit einem hohen Maß an Zufriedenheit für die Patientin durchgeführt werden.

 

Quelle: PIP 4-2016

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