Interdisziplinäre Vollendung 

Im Falle von Nichtanlagen kann eine alleinige, implantologische Versorgung der Lücke aufgrund von Bewegungen der Nachbarzähne in die Lücke hinein nicht möglich sein. Eine Lösungsmöglichkeit ist die präimplantologische Bewegung der Nachbarzähne in die korrekte Position. Der dargestellte Fallbericht von Dres. Nicole und Sebastian Horvath zeigt die kombinierte kieferorthopä­dische und implantologische Behandlung eines derartigen Falles

Besuchen Sie die Vorträge von Dr. Sebastian Horvath auf unseren Regionenveranstaltungen!

Vortrag: Behandlungskonzepte zur Knochenregeneration – Wie geht man vor?
Hands-on Workshop: Behandlungskonzepte zur Knochenregeneration nach Zahnextraktion und um Implantate – Hands-on am Schweinekiefer mit creos™ xenogain und creos™ xenoprotect

Dr. Sebastian Horvath referiert auf den Regionenveranstaltungen in Saalfelden (13.-15. Juli), in Hamburg (29. Juni – 1.Juli) und in Weggis (23.-24. Juli).

Programm Saalfelden
Programm Weggis

Ausgangssituation

Eine 27-jährige Patientin stellte sich mit dem Wunsch einer ästhetischen Verbesserung im Oberkiefer-Frontzahnbereich vor. Sie störte sich an dem unharmonischen Erscheinungsbild. Die Patientin gab an, dass Zahn 22 nicht angelegt war. Zum Ersatz des Zahnes war von einem Vorbehandler eine Adhäsivbrücke angefertigt worden. Zahn 12 war hypoplastisch und mit einer Krone verbreitert worden. Die klinische Untersuchung ergab, dass die zweiflügelige Adhäsivbrücke an Zahn 23 gelockert war. Die Patientin biss palatinal auf die beiden Klebeflügel, für die ursprünglich sagittal kein Platz war. Dies war die Ursache für die bukkale Kippung der Zähne 21 und 23 sowie für den unharmonischen Gingivalsaumverlauf. Eine Digitale Volumentomografie ergab, dass eine Implantation aufgrund der Wurzelstellungen der Zähne 21 und 23 nicht möglich war. Zahn 12 war avital und zeigte radiologisch eine periapikale Osteolyse. Die ästhetische Analyse ergab, dass die Zähne 11 und 21 im Verhältnis zu den Zähnen 12 und 22 zu klein waren.

Kieferorthopädische Behandlung

Zahn 12 wurde wurzelkanalbehandelt und mit einem Langzeitprovisorium versorgt. Die beiden Klebeflügel der Adhäsivbrücke wurden entfernt. Mit einer festsitzenden kieferorthopädischen Apparatur wurden die Kronen der Zähne 21 und 23 nach palatinal gekippt und deren Wurzeln aus der Lücke regio 22 herausbewegt. Das Brückenglied der Adhäsivbrücke wurde an der Multi-Bracket-Apparatur befestigt. Die Lücken für die spätere restaurative Versorgung der Zähne 12 und 22 wurden gleichmäßig verteilt. Im Unterkiefer wurde der Zahnbogen ausgeformt.

Implantation

Das Knochenangebot regio 22 und die Wurzelstellung der Zähne 21 und 23 nach der kieferorthopädischen Behandlung wurde mit einer digitalen Volumentomografie untersucht. Mithilfe der NobelClinician Software (Nobel Biocare) wurde die Implantatposition aus prothetischen und operativen Gesichtspunkten geplant. Zur Übertragung der Position wurde eine Bohrschablone (NobelGuide, Nobel Biocare) angefertigt. Nach erfolgter Anästhesie wurde der Knochen dargestellt

und das Implantatbett mithilfe der Bohrschablone aufbereitet. Ein NobelActive 3.0 mm Implantat (Nobel Biocare) wurde mit einer Primärstabilität von 20 Ncm inseriert. Bukkal erfolgte eine Weichgewebsaugmentation mit einem Bindegewebstransplantat. Der Heilungsverlauf verlief komplikationslos. Drei Monate nach Implantation wurde das Implantat freigelegt und mit einem Langzeitprovisorium versorgt. Das periimplantäre Weichgewebe wurde erneut mit einem Bindegewebstransplantat augmentiert. Die Heilung verlief ebenfalls komplikationslos.

Prothetische Versorgung

Ziel der prothetischen Behandlung war eine ästhetische Harmonisierung der Zahngrößen im Frontzahnbereich zuei- nander. Der Zahn 12 wurde mit einer vollkeramischen Krone versorgt. Die beiden zentralen Schneidezähne wurden mit Veneers verbreitert. Das Implantat regio 22 wurde mit einer auf einem individuellen Abutment (NobelProcera, Nobel Biocare) zementierten vollkeramischen Krone versorgt (Zahntechnik: ZTM Claus-Peter Schulz). Eine verschraubte Restauration war aufgrund der Stellung des Implantats im limitierten Knochenangebot nicht möglich.

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Quelle: PIP, Ausgabe 1-2017