pip sprach mit Priv.-Doz. Dr. Bernhard Pommer von der Akademie für orale Implantologie

Hören Sie Ihren Patienten zu!

Die Zufriedenheit des Patienten ist letztlich eines der grundlegenden Ziele der zahnmedizinischen Versorgung. Trotz geringer Komplikationsraten auch bei komplexen und aufwendigeren Eingriffen zeigt sich in der dentalen Implantologie inzwischen ein klarer Trend hin zu minimalinvasiven Techniken. Neue Ausdrücke wie PCO (patient-centered outcome) und PRO (patient-reported outcome) machen die Runde als neue Parameter für die Beurteilung des Behandlungserfolgs. Die Einbeziehung der Patientenmeinung in die Therapieentscheidung nach ausführlicher Aufklärung über alle Behandlungsoptionen als „shared decision making“ gilt nicht zuletzt aufgrund rechtlicher Verpflichtungen mittlerweile als State of the Art. Der Patient mit seiner gesundheitlichen und auch ökonomischen Gesamtsituation rückt in den Mittelpunkt.

Priv.-Doz. Dr. Bernhard Pommer

Priv.-Doz. Dr. Bernhard Pommer

pip sprach mit Priv.-Doz. Dr. Bernhard Pommer von der Akademie für orale Implantologie, Wien, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit der Patientenmeinung zu implantologischen Eingriffen befasst.

pip: Für die Konsensus-Konferenz der F.O.R. (Foundation for Oral Rehabilitation) 2014 haben Sie einen Übersichtsartikel zum Thema Patientenzufriedenheit mit der minimalinvasiven implantologischen Versorgung zahnloser Kiefer verfasst. Was haben Ihre Ergebnisse gezeigt?

Dr. Pommer: Eine Analyse von 37 publizierten Studien mit insgesamt 5766 Zahnimplantaten ergab eine deutliche Präferenz der Patienten für minimalinvasive chirurgische Techniken, durch die zusätzliche Knochenaufbau-Operationen vermieden werden können. Kurze und durchmesserreduzierte Implantate zeigten eine hohe Patientenzufriedenheit, am beliebtesten waren mit 91 % jedoch computergestützte Implantationseingriffe und mit 94 % eine abgewinkelte Implantatpositionierung im Sinne der All-on- 4-Technik.

pip: Wodurch ist der dramatische Unterschied in der subjektiven Patientenzufriedenheit bei All-on-4-Behandlungen zu erklären?

Dr. Pommer: Die Vermeidung von herausnehmbarem Zahnersatz ist ein wichtiges Thema für unsere Patienten, die gleichzeitige Implantation bei Extraktion der nicht erhaltungswürdigen Zähne ist jedoch auch hinsichtlich der postoperativen Beschwerden vorteilhaft. Eine aktuelle Studie an der Implantatakademie Wien konnte zeigen, dass trotz sofortiger Umstellung auf implantatgetragenen Zahnersatz der Großteil aller Patienten bereits am zweiten postoperativen Tag schmerzfrei war. Selbst am Tag der Implantation klagten nur 4 % der Patienten über eine merkliche Schwellung oder größere Schmerzen im Unter- und 8 % im Oberkiefer.

pip: Worauf ist eine zögerliche Haltung mancher Patienten dann zurückzuführen?

Dr. Pommer: Unsere Umfrage aus dem Jahr 2014 zeigte eindeutig, dass vor allem die Notwendigkeit einer Knochentransplantation viele Patienten abschreckt. Nur 23 % sind bereit, sich einer aufwendigen Zweitoperation zu unterziehen, um das Knochenlager vor der Implantation aufzubauen. Gerade hier kann das All-on-4-Konzept mit Sofortimplantaten ohne Knochenaufbau punkten. Höchste Priorität bei den Patienten hat jedoch der sichere Behandlungserfolg, gefolgt von der Vermeidung herausnehmbarer Prothesen und von Behandlungsdauer bzw. -kosten.

pip: Nun ist All-on-4 kein Konzept für Generalisten oder implantologische Einsteiger …

Dr. Pommer: Wenn die Restbezahnung eines Patienten am gleichen Tag extrahiert, durch Sofortimplantate ersetzt und mit einem festsitzenden Provisorium wiederhergestellt werden soll, fordert dieser komplexe Behandlungsablauf freilich Können und Flexibilität von Chirurg, Implantatprothetiker und Zahntechniker. Eine reibungslose und eingespielte Kooperation ist sehr wichtig, um dem Patienten eine sofortige und angenehme Umstellung innerhalb eines Tages zu ermöglichen. Unsere repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2011 ergab aber eindeutig, dass sich Patienten für Implantationseingriffe sowieso gerne in die Hände eines Spezialisten begeben.

pip: All-on-4 war über längere Zeit nicht unumstritten. Warum hat das Konzept der Firma Nobel Biocare nun doch vielerorts Nachahmer gefunden?

Dr. Pommer: Es war sicher viel Vorarbeit notwendig, um All-on-4 als dokumentiertes Verfahren zu etablieren und Nobel Biocare hat nach langer Forschung- und Entwicklungsphase auch qualitative klinische Studien vorzuweisen, die den Erfolg dieser Technik mit wissenschaftlicher Evidenz untermauern. Das Erfolgsrezept von All-on-4 basiert zum einen auf den finanziellen Ersparnissen im Vergleich zu Knochenaufbauoperationen. In unseren Umfragen werden die hohen Kosten immer noch als größter Nachteil der Implantattherapie genannt. Aus Sicht der Patienten spricht aber vor allem die geringere Dauer und Anzahl der operativen Eingriffe und die komplikationsarme und rasche Abheilphase für die All-on-4-Technik. Stehen bei komplexen Problemen mehrere mögliche Therapieansätze zur Diskussion, rate ich meinen Patienten immer zur langfristig den meisten Erfolg versprechenden und gleichzeitig schonendsten Lösung – also zu jenem Vorgehen, dass ich in dieser Situation auch selbst wählen würde.

pip: Herr Dozent Pommer, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!

Quelle: pip 2-2017

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